Poesie der leisen Töne
Gedichte kann ich mir nicht einfach ausdenken und dann aufschreiben. Ich muss sie (er)fühlen. Zeile für Zeile. Es genügt ein kurzer Moment, der mich in seiner Stille berührt - ein Rotkehlchen im Apfelbaum, eine Feder am Strand oder eine eingängige kleine Melodie.
Unzählige solcher Momente warten auf all jene, die sich den Blick für die unscheinbaren Dingen bewahrt haben. Eine kleine Auswahl an auf diese Weise entstandenen Gedichten habe ich hier für Sie mitgebracht.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Lesegenuss.
Weitere Gedichte finden Sie in meinem Lyrikband »Poesie der leisen Töne - Zeitgetragen«.

Gedicht des Monats
Lebenslinie
Wo wolkenverhangen
das Himmelszelt
in den wellenwogenden Ozean fällt,
wo die Weite des Himmels
das Endliche küsst,
alles möglich und dennoch vage ist,
dort,
zwischen wahr und vielleicht,
zum Greifen nah, doch unerreicht,
dort umschließt der Horizont,
dem alle Hoffnung innewohnt,
als Lebenslinie die Welt.
Gleich dort,
wo wolkenverhangenen
das Himmelszelt
in den wellenwogenden Ozean fällt.

Pulsschlag des Meeres
Atme ein den Meeresduft,
das Murmeln der Wellen im Ohr.
Schließe die Augen und stelle mir dich
im sanften Abendlicht vor.
Nehme gewahr den leichten Wind,
Berührungen auf meiner Haut.
Spüre ein Streicheln, als würdest du zart
liebkosen mich so vertraut.
Koste von der Erinnerung
an Küsse, die wir uns geschenkt.
Lausche dem Pulsschlag
der Wogen und hör’,
wie dein Herz an meines denkt.
Löse mich auf mit dem Gefühl
von Wärme und Liebe in mir.
Endlos wie Himmel und Wasser um mich
ist meine Sehnsucht nach dir.
Leise dringt in meinen Traum
dein Flüstern von irgendwoher.
Öffne die Augen, du lächelst mich an.
Bin mit dir - hier - am Meer.

Denk ich an Farbe
Denk ich an Farbe, dann
an mehr als einen Pinselstrich,
an ein Gemisch
aus Duft und Licht,
aus sanften Klängen,
endloser Ferne,
aus salzigen Wogen,
der Kraft der Sterne.
Denk ich an Farbe, dann
an den Himmel und das Meer
an Wellenklänge, weichen Sand,
salzige Winde, Dünenland,
an den Himmel und die Felder,
an Hügelweiten lichterfüllt,
denk ich an diese Farbe, dann
bleibt meine Sehnsucht ungestillt.

Sturmtief
Manchmal
braut sich ein Sturm zusammen
über dem Ozean meiner Gefühle.
Dann wird
unter schwarzem Horizont
alles Weite eng,
alles Leichte schwer.
Bin dann
wie Treibholz
auf dem Meer.
Wellenberge spucken Gischt
auf dem Ozean meiner Gefühle.
